Was ist überhaupt der "Tod"?

Der Sensenmann fragt nach einem Kaffe

Wir können traurig sein weil jemand tot ist. Wir können Angst haben vor dem Tod oder uns sogar auf ihn freuen. Der Tod kann ganz schön viel in uns auslösen. Dabei wissen wir sehr wenig über ihn. Was er ist können wir nur erahnen.

(K)eine Definition

Eine einheitliche Definition, was der Tod ist, steht nicht fest. Auf Wikipedia finden wir jedoch folgende Erklärung:

Der Tod ist „das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe“,in der Medizin auch definiert als „irreversibler Stillstand von Kreislauf und Atmung

Aha, okay. Soweit klar. Das würde ich unhinterfragt erst mal so stehen lassen.

Ist auch eigentlich ganz einfach. Aber dennoch scheint das Thema uns sehr zu beschäftigen. Suchen wir auf Google nach dem Substantiv „Tod“, bekommen wir sage und schreibe 197 Millionen Ergebnisse in deutscher Sprache ausgeworfen. Suchen wir stattdessen nach dem Verb „tot“, sind es unglaubliche 602 Millionen Ergebnisse. Fast so viel wie „leben“ mit 700 Millionen Anzeigen.

Zum Vergleich: „Johann Wolfgang von Goethe“ hat es mit ca. 6,5 Millionen nicht mal annähernd so weit gebracht wie der Tod. „Buddha“ kommt auf 8,3 Mio. und selbst „Gott“ schafft es nur auf knappe 56 Mio. Vernichtende Ergebnisse im Kampf um das beste Google-Ranking.

Das ist selbstredend keine statistische Erhebung (ansonsten würde mein Professor mir meinen Schein im Fach Statistik wieder abnehmen) und vielleicht ist das noch nicht einmal eine faire Gegenüberstellung. Was uns die Ergebnisse allerdings transportieren ist, dass der Mensch für das Thema „Tod“ ein Interesse zeigt. Und das nicht zu knapp.

An- und Ausschalter

Die nüchternen Fakten sind uns nicht genug. „...irreversibler Stillstand von Kreislauf und Atmung“, das reicht uns nicht. Wir spüren, da gibt es mehr zu holen. Der Tod soll ein Ausschalter sein? Ein Knips auf dem Taster und alles ist vorbei? Das mag für unsere weltliche Hülle gelten, aber was ist mit dem Rest? Gibt es überhaupt einen Rest? Und wenn ja, was passiert mit ihm? Fragen über Fragen. Unsere natürliche Neugierde befeuert den Drang jenes zu erkunden, was uns unweigerlich bevorsteht. Denn nichts ist so sicher wie der Tod.

„Nichts ist gewisser als der Tode, nichts ungewisser als seine Stunde“

Also wie kommen wir dem Geheimnis auf die Schliche? Ein „irreversibler Stillstand von Kreislauf und Atmung“ sagt Wikipedia. Würde bedeuten, wer einmal tot ist, kommt nicht wieder. Stimmt das denn? Nicht so richtig. Denn es gibt Menschen, die genau davon berichten. Menschen deren Funktionsabläufe versagten und letzten Endes doch nicht bestattet werden mussten. Wir kennen sogenannte „Nahtoderfahrungen“ bei denen ein Mensch sich auf der Schwelle zum Tod befindet und sich dann doch noch rechtzeitig umdreht, in Richtung Leben. Dann gibt es aber auch noch das Lazarus-Phänomen. Benannt nach der Bibelgeschichte, in der Lazarus mehrere Tage nach seinem Tod von Jesus wiedererweckt wurde. In der medizinischen Literatur wird das Lazarus-Phänomen als etwas äußerst seltenes beschrieben. Schenken wir Anästhesistinnen und Intensivmedizinern glauben, kommt es öfter vor als bisher dokumentiert. Zwischen 30 und 50 % der genannten Mediziner*nnen haben es selbst miterlebt: Ein Mensch stirbt, Nullinie auf dem EKG, anhaltende Wiederbelebungsmaßnahmen bleiben erfolglos. Schließlich hört die Reanimation auf und der Todeszeitpunkt wird bestimmt. Doch dann, nach mehreren Minuten, das können 5, 10, 20 oder selten auch 120 Minuten sein, beginnt das Herz selbständig und ohne fremdes Zutun wieder zu schlagen. Der Kreislauf stabilisiert sich, die Hirnfunktion ist wieder da. Der Mensch lebt.

Eine Seele verlässt ihren Körper

Wie ist das möglich? Das ist der Wissenschaft bisher verborgen geblieben. Wenn das nicht die verrückteste Geschichte unserer modernen Welt ist. Fast so verrückt wie die Story von Jesus und Lazarus.

Mir alte Skeptikerin kam sofort in den Sinn, warum wir nicht häufiger über solches Phänomen hören. Die Antwort darauf ist logisch. Mediziner*innen sorgen sich vor rechtlichen Konsequenzen. Schließlich haben sie jemanden für tot erklärt und Rettungsmaßnahmen beendet. Das Krankenhaus ist ein heißes Pflaster, gute Fehlerkultur sucht sich dort vergeblich. Die Anklagebank ist schnell aufgestellt und die Karriere möglicherweise beendet. Ein weiterer Grund ist Scham. Jemand ist gestorben und soll dann auf wundersame Weise auferstanden sein? Das ist zu absurd um wahr zu sein. Bevor die Leute glauben, ich habe nicht mehr alle Murmeln im Beutel, halte ich lieber die Klappe.

Per Wikipedia-Definition war der Mensch dann auch übrigens gar nicht tot. Denn „endgültiges Versagen“ und „vorübergehendes Versagen“ schließen sich aus.

Das Totgeglaubte wieder genesen ist uns aus der Literatur schon sehr lange bekannt. Die Trauernden sitzen am Totenbett der lieben Oma und Großmutter beginnt plötzlich wieder zu schnarchen. "Taphephobie", die Angst lebendig begraben zu werden ist die Folge von solchen Geschehnissen. Die Sargglocke geht auf das Konto dieser Angst. Eine Glocke wird über dem Grab befestigt, das Seil dazu führt herunter bis in den Sarg, Lüftungssystem inklusive. Doch ist das Lazarus-Phänomen klar davon abzugrenzen. Im Falle von Scheintoden, fällt der Betroffene in ein tiefes Koma. Die Lebenserhaltenden Funktionen werden auf ein Minimum heruntergefahren. So weit, dass sie kaum noch feststellbar sind und leicht übersehen werden können. Allerdings sind sie noch da, der Mensch ist nicht wirklich tot.

Himmelspforte und Engel

Allen gemein ist die Erfahrung derer die den Tod überlebten. Egal ob Nahtod oder Lazarus-Phänomen, Betroffene berichten Ähnliches. Von Zeiten und Kulturen unbegrenzt, erlebten und erzählten Menschen die gleiche Geschichte. Sie alle beschreiben ein helles, warmes Licht, ein wohliges Gefühl. Einige Erzählungen handeln davon wie die Person sich selbst und ihre Umgebung von außen betrachtet, wie ein dritter Beobachter. Immer wieder erfahren wir davon wie vorausgegangene, geliebte Verstorbene gekommen waren um den Menschen abzuholen. Alle waren schmerzfrei, voller Liebe und Zufriedenheit.

Ist das der Beweis dafür, dass es ein „Danach“ gibt? Ein Weiterleben für unsere Seele, ein „Leben nach dem Tod“?

Manche Menschen versuchen diese Erlebnisse wissenschaftlich zu erklären. Es steht eine Vermutung von Botenstoffen im Raum. Bestimmte Hormone sollen am Lebensende ausgeschüttet werden. Diese sollen uns schmerzfrei machen und Prozesse im Gehirn starten, die Halluzinationen auslösen. Unschlüssig an der Erklärung ist, dass die Totgeglaubten auch von Ahnen abgeholt wurden die sie zu Lebzeiten nicht kannten. Sie konnten beschrieben und der Familie zugeordnet werden.

Letztendlich wissen wir nichts und können nur glauben. Wo der Raum frei von Wissen ist, hat ganz viel anderes Platz. An dieser Stelle dürfen wir selbst kreativ und mutig sein. Wir dürfen entscheiden mit welcher Erklärung wir uns wohlfühlen. Wir dürfen eine ganz persönliche Erklärung wählen, die uns tröstet und vielleicht sogar etwas die Angst vor dem großen Ende nehmen kann.

Ich spüre aus diesen Erzählungen unendlichen Frieden. Ich fühle, dass alles gut war, dass es so sein durfte wie es war. Ein äußerst tröstliches Gefühl im Hinblick auf den Tod, wie ich finde.

Beispielbild

Veröffentlicht am 20. August 2024 von Charlotte Talent